Wir wissen aus vielen Interviews und Fallstudien, dass manche Unternehmer den Übergabezeitpunkt für ihr Unternehmen verpassen, weil sie den Ruhestand fürchten. Doch allein schon der Begriff des ‚Ruhestandes‘ ist kontraproduktiv, weil diesem den Eindruck des ‚nicht-mehr-gebraucht-werdens‘ anhaftet. Vielfach haben wir gehört, dass beim Beginn der Vorbereitung der Nachfolge wie aus heiterem Himmel unglaubliche Verkaufserfolge gemeldet werden – eine Art Vermeidungsreflex, beinahe die Verleugnung der eigenen Endlichkeit.
An dieser Stelle muss der letzte Lebensabschnitt umgedeutet werden – eine Art ‚Selbstausgründung‘ ist angezeigt, denn wenn man der steigenden Lebenserwartung folgt, die ein erfolgreicher Unternehmer mit einer komfortablen privaten Gesundheitsversorgung flankieren können sollte, dann könnte gerade das Leben nach dem Berufsleben der vielleicht schönste Lebensabschnitt werden und ein Aufbruch zu neuen Ufern werden.
Im Sinne eines schmerzlosen Übergangs und der Sicherung des unternehmerischen Lebenswerkes sollte der Senior zunächst den Nachfolger unterstützen – in einem anderen Beitrag erläutern wir die Konstruktion eines entsprechenden teilzeitigen Beratervertrages. Doch es naht der Zeitpunkt auch dieser Phase und daher braucht es einen Plan für die Zeit danach, denn der Gedanke, es würde sich schon etwas ergeben, erweist sich oft als Trugschluss – und es geht keineswegs nur um Beschäftigung, sondern auch um Sinn-Suche mit gesetzten Zielen. Auch die Ehe wird belastet: Papa ante Portas?
Wir sind der Meinung, dass jedes Nachfolgemandat nicht mit der Betrachtung der letzten Bilanz beginnen sollte, um den Verkaufserlös zu maximieren, sondern mit einer Erörterung der Möglichkeiten, die man über Jahrzehnte ausgeblendet hat oder musste. Dazu gehört die gesamte Bandbreite ehrenamtlicher Tätigkeiten, die Entdeckung und Förderung eigener Talente mit Richtung künstlerischer oder handwerklicher Fähigkeiten, die Erweiterung sozialer Beziehungen, die Steigerung von Fitness, Reisen und Exkursionen, die Optimierung des eigenen Ernährungsplans, die Revision der Kapitalanlagen und Versicherungen, vielleicht sogar ein Weiterbildungsplan, der die Interessen abbildet.
Die Wirtschaftssenioren besitzen im Gespräch mit den ausscheidenden Alt-Unternehmern eine besondere Glaubwürdigkeit, da unsere Mitglieder diese Exit-Strategie erfolgreich umgesetzt haben.