Fachbeiträge · Familieninterne Nachfolge und MBO
Erwartung und Emanzipation: Warum Senior und Junior gleichsam für den Erfolg der Nachfolge verantwortlich sind
In Familienbetrieben nimmt es der Senior die Bereitschaft des Nachwuchses zur Übernahme der Firma als selbstverständlich an - was es nicht ist. Er wird noch eine ziemlich lange Zeit in der Firma bleiben und der Tochter bzw. dem Sohn erklären wollen, was und wie es laufen muss, auch damit das Lebenswerk nicht gefährdet wird. Genau das merken die Mitarbeiter sofort und damit bleibt der Senior der Chef, Junior wird als Angestellter wahrgenommen und auch so behandelt.
Loslassen ist jedoch keineswegs allein eine Aufgabe des Alt-Unternehmers, sondern muss ebenso durch den Nachfolger eingefordert werden. Dies kann schmerzvoll ablaufen, weil damit die traditionelle Familienbeziehung endet, die seit der Geburt des Nachfolgers bestand. Dass ohne die unternehmerische Emanzipation des Juniors keine Nachfolge stattfinden kann, gehört zu den wesentlichen Erkenntnissen und Gesprächen, die im Vorfeld zu führen sind.
Was ist konkret vom Nachfolger zu fordern? Das ergibt sich direkt aus der rasanten Veränderung der Arbeitswelt. Zunächst einmal ist unstrittig, dass sich Marketing und Sales, aber auch Führungsmodelle radikal geändert haben. Dies ist die Domäne junger Leute, und daraus resultiert ein Führungs- und Änderungsanspruch! Online Marketing, die Digitalisierung der Wertschöpfung, Künstliche Intelligenz, Internationalisierung, aber auch eine weniger inhaberzentrierte Führung, die durch weniger Respektbezeugung gegenüber dem Gründer und eine flachere Hierarchie gekennzeichnet ist.
Es geht darum, den Führungsanspruch auch durchzusetzen. Junior ist derjenige, die oder der die nächste Evolutionsstufe des Unternehmens verkörpert. Unternehmensdaten und Insights müssen eingefordert werden. Es muss ein Wechsel des Auftretens gegenüber den Eltern stattfinden, um den 'Verdrängungsprozess' zu beschleunigen!
Ein Nachfolger in einem Familienunternehmen darf sich nicht 'zugelassen' fühlen, sondern muss Führung aktiv gestalten wollen. Unternehmertum ist Mentalität, die Übernahme von Verantwortung und Durchsetzungsvermögen - auch gegenüber dem Senior.