Fachbeiträge · Verwertung des Betriebsvermögens
Vermarktung: Vorteile vs. Nachteile der Verwertungswege
Es ist anzunehmen, dass die Sinnhaftigkeit eines Firmen-Exposés bei Betriebsaufgabe nicht in jedem Falle klar ist. Dennoch ist dazu anzuraten, weil ein potenzieller Käufer oft Werte sieht, die der Unternehmer als „nicht verwertbar“ betrachtet, z.B. Kundenstamm, eingespielte Prozesse, moderne Technik, oder Standortvorteile. In diesem Fall ist ein ‚Asset Deal‘ wahrscheinlicher, bei dem sich der Interessent gezielt einzelne Vermögenswerte und Verträge heraussucht.
Naheliegend ist die Frage der Art der Veröffentlichung der Absicht zur Betriebsaufgabe. Die respektvolle Ansprache des Wettbewerbs z.B. steigert die Wahrscheinlichkeit der Verwertung. Mit geschickten ‚Prompts‘ lassen sich Muster für Anschreiben zum Zwecke des Ankaufs von Betriebsvermögen durch Tools der Künstlichen Intelligenz erzeugen.
Vor der Bekanntmachung sind je nach Gewerbeart die Verwertungswege auf Vorteile und Nachteile im Sinne der Erlösoptimierung und der Machbarkeit organisatorischer Fragen zu prüfen. Im Wesentlichen kommen 6 Verwertungswege infrage:
1. Ansprache des Wettbewerbs: Hier zählen nachweisliche betriebliche Synergie-Effekte, während die Gefahr vorzeitiger Offenlegung von Firmeninterna vor allem im Falle gescheiterter Verhandlungen beherrscht werden will
2. Ansprache von Aufkäufern: Hier liegt der Vorteil in der Prozessgeschwindigkeit und dem Abbau, dem Abtransport und der Entsorgung aus einer Hand, wobei ein vergleichsweise niedriger Erlös oder „cherry picking“ erwartbar ist
3. Räumungsverkauf: Diese oft zu beobachtende Variante sollte einen höheren Erlös pro Stück als durch Großverwerter und die Chance zum Verkauf von Ladenhütern sowie direkten Cashflow bringen – es ist aber oft ein Prozess bei laufendem Betrieb
4. Hausmesse: Hier ist eine qualifizierte Nachfrage aus der eigenen Branche zu erwarten, die logistische Vorbereitung und die erhöhte Marketingkosten sind jedoch nicht zu unterschätzen
5. Auktion: Dies verspricht eine vollständige Räumung, eine Mindestpreisgarantie gibt es jedoch nicht und der professionelle Support eines Auktionshauses ist kostentreibend
6. Online-Verkauf (wobei dies eine der eigentlichen Verkaufsaktion vorgeschaltete Maßnahme sein kann): Eine Unbegrenzte Sichtbarkeit und die hohe Preiskontrolle sind die Vorteile, ein hoher Aufbereitungsaufwand der Webseite und die unsichere Bonität der Kunden unbestreitbare Nachteile. Um hohe Logistikkosten zu vermeiden, sollte man per „Click and Collect“ verkaufen.